Der Runde Tisch der Dekanin

Aufgrund der anhaltenden Auseinandersetzungen kündigt Dekanin Dr. Schwöbel im Spätsommer 2008 einen Runden Tisch mit Vertretern des GÄK und Vertretern der beiden Initiativen an. Dies ist der erste externe Schlichtungsversuch.

Eingeladen sind jeweils drei Vertreter der beiden Initiativen sowie die beiden Pfarrer, der Vorsitzende des GÄK sowie der Vorsitzende der Gemeindeversammlung. Eingeladen sind ebenfalls Vertreter der Ev. Stiftung Pflege Schönau, der Bauabteilung im EOK sowie die ausführenden Architekten.

 

Februar 2009

Erster Runder Tisch bei der Dekanin

Die Dekanin legt einen im Gespräch mit den Architekten und der Pflege Schönau überarbeiteten Planungsentwurf vor. Darin ist die Stufenanlage wieder in ihrer ursprünglicher Breite vorgesehen. Die Verschlankung der Stufen und Verkleinerung der Altarinsel würde ihrer Ansicht nach zu einer für Gottesdienste nicht praktikablen Situation führen. Neu ist die Anordnung von versetzt ineinander verschränkten Stufen (Weinberg-Modell). Dadurch wird die von manchen kritisierte Starrheit der Stufen aufgebrochen. Zugleich entsteht diagonal über die Treppe ein Weg. An diesem Weg steht gleichsam „natürlich“ die Kanzel.

Eine detaillierte Diskussion der veränderten Planungen lehnen die Vertreter der Initiativen ab, da sie grundsätzlich gegen eine Stufenanlage sind.

 

März 2009

Zweiter Runder Tisch bei der Dekanin

Die Moderation dieser Diskussion übernimmt ein externer Berater, Herr Frey. Eingeladen sind die gleichen Personen wie beim ersten Gespräch am Runden Tisch.

OKR Vicktor legt einen neuen Kompromissvorschlag vor. Er empfiehlt den Einbau eines verschiebbaren Wandmoduls an der Stelle, wo die Altarwand durchbrochen ist. So würde dem Eindruck nach die bisherige Altarwand erhalten bleiben. Zugleich sei die Möglichkeit gegeben, wenn kirchenmusikalisch notwendig, eine Öffnung zwischen Kirchenraum und Orgelempore herzustellen. Dies ist somit der zweite externe Schlichtungsversuch. Eine Diskussion dieses Vorschlags lehnen die Vertreter der Initiativen ab, weil weiterhin eine Stufenanlage im Kirchenraum geplant ist.

 Die Dekanin Frau Dr. Schwöbel fasst die beiden Gesprächsrunden in einem Schreiben zusammen. Darin heißt es:

Nachdem deutlich war, dass die Differenzen in der Wahrnehmung der architektonischen und inhaltlichen Gestaltung des Altarraumes nicht ausgeräumt werden konnten, machte Herr Frey (der externe Moderator) grundsätzlich darauf aufmerksam, dass es beiden Gruppen sehr ernst um die Belange von Gemeinde ginge. Beide Gruppen, so Herr Frey, setzen sich mit großen Engagement für die Friedensgemeinde ein. Das sei ein gutes Fundament, auf dem auch bei bleibenden Differenzen in der Bauangelegenheit gut miteinander umgegangen werden könne. Der Wunsch nach dem Zusammenhalt der Gemeinde sei ein stark verbindendes Element. Eine gute und einander respektierende Gesprächskultur könne hier langsam und vorsichtig wieder wachsen.

 

Die Dekanin macht zugleich deutlich, dass mit diesen Schlichtungsgesprächen ein gewisser Endpunkt erreicht werden soll und eine Entscheidung ansteht:

In ihrer Sitzung im Mai wird die Stadtsynode gebeten, dem Sanierungsprojekt und der Finanzierung grundsätzlich zuzustimmen.

Die Stadtsynode hat auf ihrer Sitzung am 7. Mai 2009 dem Renovierungskonzept und seinem Finanzrahmen grundsätzlich zugestimmt.

 

23. März 2009

Herr Jürgen Schlechtendahl vom Kirchenbauamt in Karlsruhe, der am Runden Tisch bei der Dekanin teilgenommen hatte, fasste sein Fazit in einem Schreiben wie folgt zusammen:

Bei und nach den beiden Terminen sind für uns keine Aspekte aufgetaucht, die uns veranlassen würden, die grundsätzliche Befürwortung der Baumaßnahme und die in Aussicht gestellte kirchenaufsichtliche Genehmigung zu revidieren.

Sehr deutlich ist bei den Gesprächen geworden, dass zwei unterschiedliche Auffassungen zur Liturgie- und Gottesdienstgestaltung in der Friedenskirche vorliegen. Auf der einen Seite stehen die vom Ältestenkreis der Friedensgemeinde erstellten Thesen, die die Grundlage für den Architektenwettbewerb im Jahre 2007 waren. Diese wurden im Beitrag des Büros AAG Architekten auf ideale Weise aufgegriffen und umgesetzt. Die Empfehlung der Jury fiel damals entsprechend einstimmig aus. Auf der anderen Seite stehen die Überlegungen von Herrn Prof. Dr. Eisinger in dem für die Initiativen aufgestellten theologisch-liturgischen Papier. Unterschiedlich fallen deshalb auch die Bewertungen über die Qualität der vorgefundenen Konzeption von 1963 und die Stellung der Prinzipalien aus.

Nach unserer Kenntnis möchte der Ältestenkreis in Handschuhsheim die Gestaltung des Gottesdienstes weiterhin auf der Basis der Thesen von 2007 ermöglichen. Wir empfehlen der Stadtsynode, die geplante Renovierung und Finanzierung grundsätzlich zu beschließen. Dadurch wäre Planungssicherheit geschaffen und der Weg für die notwendige weitere Detailplanung, Bemusterung, Materialkonzeption frei.

 

10. Mai 2009

Fünfte Gemeindeversammlung zur Kirchenrenovierung

Die überarbeiteten Pläne, wie sie das Ergebnis des Runden Tisches bei der Dekanin waren, wurden von der Dekanin und den Architekten vorgestellt. Es wird darauf hingewiesen, dass die Stufenanlage nicht wesentlich in die Substanz der Kirche eingreift und in späteren Jahrzehnten auch wieder rückbaubar wäre. Auch das bisherige Verfahren samt der Schlichtungsgespräche und ihrer Ergebnisse, einschließlich des Beschlusses der Stadtsynode, wird noch einmal erläutert.

Die Initiativen beklagen einen feindseligen Umgang der Kirchenleitung. Ihre Anliegen seien nicht diskutiert worden. Durch den aktuellen Entwurf werde ein Kulturdenkmal zerstört.

In der Aussprache werden zahlreiche Informationsfragen wie etwa nach der Zahl der Sitzplätze, nach dem Geländer, der Position des Taufsteins und des Orgel-Rückpositivs sowie der Gestaltung von Altar und Kanzel gestellt und beantwortet.

Dekanin Schwöbel und der Vorsitzende der Gemeindeversammlung weisen vor Aussprache und Abstimmung darauf hin, dass der Beschluss der Stadtsynode zur Umsetzung des Renovierungskonzepts formal gültig ist und nicht durch einen anderslautenden Beschluss der GV ausgehebelt werden kann. Sie machen deutlich, dass diese Gemeindeversammlung vor allem den Charakter einer Informationsveranstaltung hat.

 Der Gemeindeversammlung werden zwei Anträge zur Abstimmung vorgelegt:

1.     Die Gemeindeversammlung bittet die für die Renovierung der Friedenskirche Verantwortlichen, auf allen Beratungs- und Entscheidungsebenen dafür Sorge zu tragen, dass im Interesse der Wiederherstellung des Gemeindefriedens der bis heute streitige Bau einer Stufenanlage, die über den bisherigen Altarraum hinaus zur Orgelempore führen soll, bis auf weiteres nicht in Angriff zu nehmen.

Im gleichen Geist bittet die GV alle in diesem Zusammenhang Verantwortung tragenden, gewählten oder bestellten Amtsträger, bereits beschlossene Handlungs- und Haushaltsermächtigungen für die Kirchenrenovierung nur für deren unstrittigen Teil, nicht aber für die strittige Stufenanlage auszuschöpfen.

Der Antrag wird mit 114 JA- und 60 NEIN-Stimmen bei 2 Enthaltungen angenommen.

 

2.     Die Gemeindeversammlung bittet den Gesamtältestenkreis, konkrete Initiativen zu ergreifen, um wieder eine vertrauensvolle Kommunikation mit und in der Gemeinde herzustellen.

Der Antrag wird ohne Gegenstimmen mit wenigen Enthaltungen angenommen.

 

 

13. Mai 2009

Der GÄK berät die Äußerungen und Voten der vorangegangenen Gemeindeversammlung intensiv und beschließt mit sehr großer Mehrheit folgenden Bescheid an die Gemeindeversammlung:

1.     Der Antrag deckt sich inhaltlich im Wesentlichen mit dem Antrag, der schon auf der Gemeindeversammlung im Juli 2008 abgestimmt wurde. Der Gesamtältestenkreis hatte sich in seinem Beschluss zur Renovierung vom 23. Juli 2008 dazu schon verhalten. Neue inhaltliche Gesichtspunkte haben sich für die Ältesten seitdem nicht ergeben, weswegen der Beschluss der Ältesten vom Juli 2008 nach wie vor Bestand hat.

2.     Der Antrag behauptet, es könne in der Realisierung der Renovierungsmaßnahmen unterschieden werden zwischen streitigen und unstrittigen Bauteilen. Tatsächlich ist diese Unterscheidung irreführend und in der Praxis weder sinnvoll noch durchführbar. Die Renovierung soll nach dem Willen der Ältesten einem umfassenden und inhaltlich geschlossenen Konzept folgen. Jetzt die Kirche weitgehend zu renovieren, im Blick auf die Altarsituation aber eine wie auch immer geartete „Zwischenlösung“ zu bauen, erscheint den Ältesten vollkommen inakzeptabel und dürfte auch von der Evangelischen Stiftung Pflege Schönau abgelehnt werden.

3.    Der Antrag behauptet, es werde dem Frieden dienen, auf die Realisierung der Stufenanlage vorerst zu verzichten. Hier sind die Ältesten mehrheitlich anderer Meinung. Zwar gibt es um die Stufenanlage heftigen Streit in der Gemeinde. Aber es gibt auch viele Befürworter, die vom Ältestenkreis nun die Umsetzung der beschlossenen Pläne erwarten. Die Ältesten haben schon in ihrer Sitzung am 23. April 2009 festgestellt: Für das weitere Zusammenleben in der Gemeinde müssen wir die Baufragen trennen von den Fragen des friedlichen Umgangs miteinander.

 

Die im zweiten Antrag geäußerte Bitte um Initiativen für die Wiederherstellung einer vertrauensvollen Kommunikation in und mit der Gemeinde hat sich der GÄK einstimmig zu eigen gemacht. Die Ältesten haben beschlossen, besorgte oder verärgerte Gemeindeglieder in Kürze zu mehreren „Gesprächsforen“ einzuladen.

Diese Gesprächsinitiative seitens des GÄK wurde jedoch kurze Zeit später wieder ausgesetzt, weil OKR Vicktor sich um eine weitere Schlichtungsrunde bemühte.