Die Gemeinden werden schrumpfen

Was uns die Statistik sagt

Die Zahl der evangelischen Bürgerinnen und Bürger von Heidelberg schrumpfte von 1976 bis 2009 von 58.918 auf 43.935. D.h., innerhalb einer Generation ist die evangelische Kirche um ein Viertel kleiner geworden, genauer: um 14.983 Personen in 33 Jahren. Dieser Trend bildet sich auch in Handschuhsheim ab. Gab es 1990 in Handschuhsheim noch 7.709 evangelische Gemeindemitglieder, die sich damals auf drei Pfarreien verteilten, so waren es im Jahr 2010 noch 5.885 in der Ost- und Westpfarrei. Als Ursachen können genannt werden:

  • Es sterben mehr Leute als auf die Welt kommen. In den letzten zehn Jahren sind in der Friedensgemeinde 613 Menschen getauft worden, kirchlich bestattet wurden aber 913.
  • Es treten mehr Menschen aus der Kirche aus als eintreten. Im Schnitt verlassen 36 Personen pro Jahr die Friedensgemeinde, indem sie ihren Austritt erklären. Dem stehen durchschnittlich 15 Eintritte jährlich (einschließlich Taufen ab 14 Jahren, sogenannte „Erwachsenentaufen“, die ebenfalls zu Kircheneintritten gezählt werden) gegenüber.
  • Obwohl die Stadt Heidelberg insgesamt leicht wächst (1976 hatte Heidelberg 129.332 Einwohner, 2009 waren es 132.962), ist zu vermuten, dass durch Wegzug Protestanten verloren gehen. Bei Zuzügen ist der Anteil von Nicht-Kirchenmitgliedern in der Regel höher als bei der angestammten Bevölkerung.

Dass sich die negative Entwicklung fortsetzt, zeigt diese Prognose für die evangelische Bezirksgemeinde Heidelberg:

Die kirchlichen Bestattungen nehmen trotz Sterbeüberhang leicht ab. Vor fünf Jahren sind noch über 100 evangelische Beisetzungen in Handschuhsheim im Schnitt zu verzeichnen gewesen, in den letzten Jahren waren es hingegen nur noch um die 90 im Jahr. Eine Rolle spielen könnte dabei die Tatsache, dass nicht mehr bei jedem Todesfall von den Angehörigen eine kirchliche Begleitung erbeten wird.

Die Zahl der Gottesdienstbesucher wird an fünf Sonntagen im Jahr durch eine Zählung ermittelt. Je nach dem, ob Chöre oder der Kindergarten bei einem Gottesdienst mitwirken, fallen die Besucherzahlen sehr unterschiedlich aus. Am Erntedankfest 2001 waren 267 Personen in der Friedenskirche, 2005 sind es 677 gewesen und 2010 waren es 507. Am ersten Sonntag der Passionszeit hingegen wurden 2001 195 Gottesdienstbesucher gezählt, 2005 ebenfalls 195 und 2010 nur 83. Am ersten Advent besuchten im Jahr 2001 288 Menschen den Gottesdienst, während es am Karfreitag des gleichen Jahres 302 gewesen sind. 2005 waren es am ersten Advent 391 und am Karfreitag 295. 2010 sind es am Karfreitag 265 gewesen, am ersten Advent 507. Mehr oder weniger gleich sind die Besucherzahlen am Heiligen Abend. Die Kirche ist beim Krippenspiel und bei der Christvesper so voll, dass eine Zählung unmöglich ist.


Was bedeutet es, wenn die Gemeinden weiter in gleichem Masse schrumpfen? Dass dies der Fall ist, ist unbestritten, denn die Menschen, die neue Gemeindeglieder in die Welt setzen könnten sind zum großen Teil in den letzten Jahrzehnten gar nicht auf die Welt gekommen!

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